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Zur Zeit seiner ersten
urkundlichen Erwähnung, im Vertrag von Retzbach vom 2. März
815, gehörte
Erlenbach zur Abtei Fulda nebst Heidenfeld, Remlingen, Holzkirchen und
anderen umliegenden Dörfern, darunter wahrscheinlich auch Tiefenthal.
Gegen Ende des
13. Jahrhunderts wurde die Grafschaft Wertheim nach dem Tode des Grafen
Boppo zwischen dessen drei Töchtern und seinem Bruder Rudolf II geteilt.
Tiefenthal fiel an die Gräfin Kunigunde von Wertheim, die es ihrem
zweiten Gemahl Heinrich Graf von Henneberg in die Ehe brachte.
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Ortsmitte um 1930 |

Dorfplatz um 1930 |
Dieser
vereinigte ‘Diefenthal samt Heidenfeld und Remlingen mit dem Schlosse
Laudenbach am Main, von wo nun die Vogteigerichtsbarkeit ausgeübt wurde. Schon
1331 verkaufte der Sohn Heinrichs und Kunigundes diese Vogtei, wobei
Tiefenthal in der Verkaufsurkunde ausdrücklich erwähnt wird für 2000 Pfund
Heller an die Grafen Ludwig von Rieneck und Rudolf von Wertheim. Die
Grafen von Wertheim brachten dann neben Heidenfeld und Remlingen auch Tiefenthal
in ihren vollkommenen Besitz. Sie errichteten das Schloss in Remlingen, von dem
aus ein Amtmann die Vogteirechte ausübte.
In
Gegenwart des Amtmanns Hans Fuchs von Kanneberg erkannten die Schöffen zu
Tiefenthal am 19. Februar 1449 in einem Weistum den Grafen Georg von Wertheim
samt seinen Nachfolgern als obersten Herrn und Vogt in Dorf und Feld zu
Tiefenthal an.
Übersichtsaufnahme
aus Richtung B 8, um 1950 |
Hauptstraße
in Richtung Remlingen - ca. 1950 |
Als
Graf Michael von Wertheim 1556 ohne männliche Nachkommen starb, fielen
Tiefenthal und Erlenbach an den Vater seiner Frau Katharina, den Grafen Ludwig
von Stollberg- Konxgstein. Der Erbvertrag bestimmte, dass von den drei Töchtern
des Grafen Ludwig nur Katharina und Elisabeth, nicht jedoch Anna, für die Würzburger
Lehen erbberechtigt sein sollten. Damit
war Annas Gemahl Graf Ludwig von Löwenstein nicht einverstanden. Von 1575 bis
1598 nahm er die Bewohner von Tiefenthal, Heidenfeld, Erlenbach und dem Amt
Remlingen in bedrückende Erb- und Centhuldigung.
1600
trieben die Einwohner diesen jedoch mit Unterstützung des Löwenstein wieder
hinaus, mussten ihn aber 1601 wieder einlassen und sich ihm verpflichten. Mit
dem Tode der Elisabeth von Kriechingefi 1612 fielen die Würzburgischen Lehen
und damit auch Tiefenthal wieder an das Hochstift Würzburg zurück. Am
15. Oktober 1747 wurde Tiefenthal von einer schweren Feuersbrunst heimgesucht,
bei der 15 Gebäude abbrannten. Die Fürstbischöfliche Regierung stellte den
Betroffenen 300 Taler als zinsloses
Darlehen zur Verfügung sowie 18 Malter Korn aus der Guttenbergschen Almosenstiftung, darüber hinaus gewährte sie ihnen die Erlaubnis zum
Einsammeln milder Gaben.
Im
Juli stießen die Preußen unter dem Befehl des Generals von Falkenstein von
Fulda über Lohr in Richtung Marktheidenfeld vor. Am frühen Morgen des 26.
Juli begann bei Uettingen die Schlacht. An Tag darauf wurde zwischen Österreich
und Preußen ein Waffenstillstand geschlossen.
Nach
diesem Kriege, der also in der Nähe Tiefenthals besonders heftig tobte, kamen
viele Einwohner durch die Cholera um. Zu deren Abwendung gelobten die Einwohner
eine jährliche Wallfahrt auf das Käppele bei Würzburg. Diese “Käppele -
Wallfahrt“ wird bis zum heutigen Tage durchgeführt am 2. Juli, dem Feste “Mariä
Heimsuchung“.
Im
Deutsch-Französischen Kriege
von 1810/71 erlitt Tiefenthal keine Verluste, jedoch im 1. Weltkrieg wurden der
Bevölkerung große Opfer abverlangt, 22 Gefallene waren zu beklagen.
Ortseinfahrt von Remlingen kommend
1960 |
Ortsmitte um 1960-
Hauptstraße in Richtung Remlingen, rechts
Anwesen Anneliese Altheimer
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Bis zum zweiten Weltkrieg führte Tiefenthal ein eher
beschauliches
Dasein. Die Anforderungen der Nachkriegszeit führten dann auch hier zu größeren
Umwälzungen.
Nach
den hier ziemlich ruhigen Anfangsjahren des 2. Weltkrieges wurde die
Marktheidenfelder Gegend ab Anfang 1945 ständig von Luftalarm beunruhigt. Am
2. 4. 45 stieß die amerikanische Armee von Wertheim über Remlingen und nach
Marktheidenfeld vor. Für Tiefenthal war damit der Krieg zuende. Er hatte aus
dem Dorf 39 Gefallene und viele Vermisste gefordert.
Verwirklichung gemeindlicher Maßnahmen
seit dem Zweiten Weltkrieg: Renovierung der Kirche, Anbau einer Sakristei und
Anschaffung einer weiteren Glocke, Bau einer Zentralwasserversorgungsanlage, Bau
einer Kanalisation und einer Schulerweiterung, Bau einer Mehrzweckhalle für
sportliche und kulturelle Nutzung, Durchführung der Flurbereinigung.
1957 wurde der Verbindungsweg zwischen Tiefenthal und Erlenbach zu einer
richtigen Straße ausgebaut. 1960 konnte mit einer zweiten Tiefbohrung
eine zentrale Wasserversorgungsanlage in Betrieb gesetzt werden. Bis dahin
hatte große Wassernot geherrscht.
Ein Brunnen wurde gestiftet vom seinerzeitigen Jagdpächter Prof.
Dr. Wachsmuth aus Würzburg, der in Anerkennung dieser großzügigen
Spende im März 1960 zum Ehrenbürger von Tiefenthal ernannt wurde.
Ein wichtiges Bauvorhaben für die Dorfgemeinschaft war die
Erweiterung der Volksschule, der 1962 in Angriff genommen wurde. Bis dahin
mussten Schulleiter Walter Veith und seine Frau die 72 Schüler im sechzig Quadratmeter großen,
einzigen Klassenzimmer der alten Schule unterrichten, was nur im Schichtunterricht möglich war.
Der Schulneubau brachte einen weiteren Klassenraum von 70
Quadratmetern nebst Gruppenraum sowie eine moderne Schulküche und einen
großen Werkraum.
Entworfen vom Würzburger Architekten Walter Väth, einem
gebürtigen Erlenbacher, konnte 1963 der Erweiterungsbau eingeweiht
werden. In den Festreden wurde hervorgehoben, dass auch eine arme Gemeinde
mit Verantwortungsbewusstsein etwas Vorbildliches leisten könne (Landrat
Baunach). Doch klangen auch schon die Vorboten einer neuen Zeit an,
als der Stellvertretende Schulrat Wirthmann auf die künftige Bedeutung stärker
differenzierter Verbandsschulen im ländlichen Raum hinwies.
Einweihungsfeier des Erweiterungsbau der
Schule am 27.10.63, im Bild Gemeinderat, Bürgermeister
Kaufmann, Pfarrer Bußmann und Landrat Baunach |
Lehrer Walter Veit mit den Schülern, die
diese Feier musikalisch umrahmten
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1975 wurde Tiefenthal nach Erlenbach eingemeindet.
Zum damaligen Zeitpunkt wohnten 488 Bürger im Ort. Der Gemeinderat bestand im
Jahre 1974 aus folgenden Mitgliedern: Erich Neßwald, Albert Fischer,
Raimund Kaufmann, Reinhold Freund, Richard Weißkopf, Otto Scheuring,
Arnolf Müller, Siegmund Zürlein. Bürgermeister war Emil Kaufmann.
Ein Jahr später
wurde die Verwaltungsgemeinschaft Marktheidenfeld gegründet, der neben
Erlenbach mit Tiefenthal die Gemeinden Rothenfels, Karbach, Birkenfeld,
Bischbrunn, Esselbach, Hafenlohr, Roden und Urspringen angehören.
1989 bildete sich in Tiefenthal die Bürgergemeinschaft
Tiefenthal (BGT) ‚ um den Ortsteil im Parlament der Einheitsgemeinde
wirkungsvoller vertreten zu können. Ihr gelang bei der Kommunalwahl im
gleichen Jahr auf Anhieb der Gewinn von drei Mandaten.
Im
Jahre 1996 wurde mit dem Bau des Kindergartens ein weiterer Meilenstein in
der Tiefenthaler Geschichte geschrieben. Der Bau wurde am 21.09.97 seiner
Bestimmung übergeben. Träger dieses Kindergartens ist
der Ägidiusverein.
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